CIRS

Bekanntermaßen umfaßt die Krankenversorgung viele potentiell zu Gefahren geneigte Tätigkeiten, die dann für die Patienten risikobehaftet sind, wenn nicht vorab entsprechend Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Initiiert wurde daher das laufende Projekt Risikomanagement durch Einführung eines CIRS-Meldesystems.

Der Begriff CIRS steht dabei für Critical Incident Reporting System und meint damit ein Meldesystem, durch das gefährliche Situationen des Arbeitsalltags berichtet werden können.

Ziel ist es hierbei, noch nicht erkannte mögliche Gefährdungspotenziale aus der Alltagsroutine so frühzeitig zu identifizieren und mitzuteilen, dass sie nicht zu einer realen Gefahr für Patienten werden können. Diesem Konzept liegt die Erfahrung zugrunde, dass einem gravierenden Schaden in der Regel zuvor etwas zehn entsprechende Beinahe-Zwischenfälle vorangegangen sind. Es wäre also bei Kenntnis des Risikos möglich gewesen, dass bedauerliche Ereignis zu verhindern.

Als erste Maßnahme ist CIRS in zwei ausgewählten Abteilungen des Clinicums eingeführt worden, um das System nach einer Erprobungsphase in diesen Pilotabteilungen mit ausreichender Erfahrung und Akzeptanz im gesamten Clinicum zu implementieren. Die Mitarbeiter haben so die Möglichkeit, auf standardisierte Weise schnell und einfach Meldungen über Gefährdungen von Patienten, Mitarbeitern und Einrichtungen abzugeben. Diese Berichte werden zentral von einem Koordinator gesammelt und für die folgende Auswertung in den Abteilungen aufbereitet. Anschließend erfolgt in Zusammenarbeit mit speziell geschulten Gruppen eine abteilungsinterne Bewertung der Meldungen und die Planung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Jede Maßnahme wird einem benannten Mitglied der CIRS-Gruppe zur weiteren Erledigung übertragen. Die endgültige Umsetzung der gefassten Beschlüsse obliegt den Abteilungen und wird vom Koordinator dokumentiert.

Für den Berichtszeitraum 2007 ist aus den Pilotabteilungen nach entsprechender Information der Mitarbeiter der Eingang von insgesamt 92 Meldungen zu verzeichnen gewesen. Diese wurden in den regelmäßigen Sitzungen zunächst nach einer entsprechenden Klassifikation drei Dringlichkeitskategorien zugeordnet. Die Eingruppierung erfolgte dabei unter Berücksichtigung von drei Aspekten eines Ereignisses.

  1. Wie groß ist die Häufigkeit, mit der ein gemeldeter Fehler eintreten könnte?
  2. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fehler entdeckt wird, bevor er zu einem Schaden führen könnte?
  3. Wie groß wäre der Schaden für den Betroffenen, wenn der gemeldete Sachverhalt eingetreten wäre?

Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien sind von allen gemeldeten Ereignissen 52 der hohen, 24 der mittleren und 16 der niedrigen Dringlichkeitskategorie zugeordnet worden. Alle Meldungen wurden nach Eingang frühestmöglich im verantwortlichen Gremium in 14-tägigem Rhythmus mit den Vertretern der zuständigen Abteilungen bearbeitet, wobei aufgrund teilweiser komplexer Anhängigkeiten in 2007 noch nicht alle Fälle abschließend bearbeitet werden konnten. 70% der Meldungen in der Kategorie "höchste Dringlichkeit" wurden mit Umsetzung konkreter Maßnahmen vollständig, der Rest zumindest teilweise erledigt. Für rund 10% und 20% der Sachverhalte in den anderen Kategorien wurden Lösungen gefunden. Dabei reichte das Spektrum der Anpassungen von einfachen Prozessoptimierungen über die Ersatz- und Erstbeschaffung von Material bis zu komplexen baulichen Veränderungen.

Die bisherige Auswertung zeigt dabei, dass bei einer suffizienten Umsetzung trotz der veränderten Rahmenbedingungen keine Zunahme der Patientenschäden zu verzeichnen ist, wie es vielleicht ohne dieses Meldesystem denkbar gewesen wäre. Für die Zukunft wird erwartet, mit diesem erprobten Instrument selbst eine potentielle Gefährdung für Patienten immer weiter zurückdrängen zu können.

Norbert Vienhues
Sprecher des USQM Lubinus