Gemeinsam in Kiel stärker aufgestellt

30.06.2011

Lubinus-Stiftung übernimmt Sankt Elisabeth Krankenhaus

Das Sankt Elisabeth Krankenhaus am Königsweg im Jahr 1977.
Das Sankt Elisabeth Krankenhaus am Königsweg im Jahr 1977. Foto Magnussen

Kiel. Zwei traditionsreiche Kieler Kliniken gehen zusammen: Das Sankt Elisabeth Krankenhaus werde zum 1. Januar 2012 „unter das Dach der Lubinus-Stiftung“ wechseln, teilten Lubinus und die Katholische Wohltätigkeitsanstalt (KWA/Reinbek) jetzt mit. „Damit entsteht der größte Anbieter für orthopädische und unfallchirurgische Leistungen in Schleswig-Holstein“, so Vorstand Philipp Lubinus.

Das neue Krankenhaus mit seinen auch künftig zwei Standorten wird 300 Betten, zwölf Operationssäle und rund 500 Mitarbeiter haben, die pro Jahr rund 10000 Patienten stationär behandeln sowie 4000 weitere ambulant operieren. Hinzu kommen rund 30000 ambulante Behandlungen im Lubinus Clinicum – vorwiegend in der Notfallambulanz. Unter der Ärzteschaft in Kiel sowie bei einigen Klinik-Mitarbeitern kursierte das Gerücht des Zusammenschlusses schon seit ein paar Wochen. Gestern nun wurden Mitarbeiter und die rund 38 Belegärzte, niedergelassene Ärzte, die das Elisabeth Krankenhaus für ihre Operationen nutzen, informiert. Für sie soll sich im Prinzip nichts ändern. Das jedenfalls ist der Wunsch von KWA-Geschäftsführer Stephan Schwarte und Lubinus- Geschäftsführer Moritz Thiede. „Wir wollen alle Mitarbeiter halten“, so Schwarte. Wichtig sei der KWA auch gewesen, dass Name und Standort des Elisabeth Krankenhauses erhalten bleiben.

Matthew Squire legt einen Tape-Verband an.
Sie bringen die beiden Stiftungen zusammen und schaffen die größte orthopädische Klinik in Schleswig-Holstein:
Stephan Schwarte, Jürgen Marx und Moritz Thiede (v. links).
Foto Eisenkrätzer

Die Initiative zum Zusammenschluss ging von der Katholischen Wohltätigkeitsgesellschaft zur heiligen Elisabeth aus, eine Stiftung, die – neben anderen sozialen Einrichtungen – in Deutschland sieben weitere Kliniken mit rund 2000 Betten und 4000 Mitarbeitern betreibt, darunter auch das Elisabeth Krankenhaus in Eutin. Doch wegen des hohen Kostendrucks im Krankenhaussektor habe man für die Kieler Klinik nach einer neuen Lösung gesucht, sagte Jürgen Marx, kaufmännischer Leiter des Krankenhauses. So habe das Haus durch die starke Ausrichtung auf die Kooperation mit den Belegärzten, die nach dem derzeitigen System jedoch nicht angemessen von den Kassen honoriert werde, besonders unter Druck gestanden.

Schnell sei man bei der Suche nach einem Partner auf Lubinus gestoßen, beide Häuser sind stark auf die Bereiche Orthopädie und Chirurgie ausgerichtet. Und als Vorteil hat es sich dann noch erwiesen, dass die Familie Lubinus ihre Anteile an der Klinik vor anderthalb Jahren in eine gemeinnützige Stiftung überführt hatte. „Ohne diesen Schritt wäre es nicht möglich gewesen, mit der KWA in Gespräche über ein Zusammengehen mit dem Elisabeth Krankenhaus einzutreten“, so Moritz Thiede. Die KWA will mit diesem Schritt „die Zukunft des Sankt Elisabeth Krankenhauses mit seinen anerkannt guten medizinischen und pflegerischen Leistungen sichern“.

Lubinus werde nicht nur um einen weiteren Standort in der Kieler Innenstadt erweitert, sondern auch um die neuen Fachrichtungen Urologie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, so Thiede. Die enge Zusammenarbeit mit den Belegärzten soll fortgeführt werden. „Wir können so unsere Basis im Bereich der niedergelassenen Ärzte erweitern“, erklärte er. Denn 80 Prozent der Patienten werden dem Lubinus Clinicum über niedergelassene Ärzte zugewiesen. Beide Häuser haben gemeinsame Wurzeln: Die Gründer der beiden Kliniken, Gustav Adolf Neuber und Johann Hermann Lubinus, waren Schüler des Kieler Chirurgen Friedrich von Esmarch. Lubinus arbeitete einige Zeit an der Klinik Neubers im Königsweg, bevor er 1895 seine eigene Klinik gründete. Die Neubersche Klink wurde schließlich 1958 von der KWA übernommen, die am Königsweg das Sankt Elisabeth Krankenhaus gründete.

Verfasser: Jörn Genoux

Kieler Nachrichten, 30. Juni 2011

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